
Von der ersten Skizze des Herborner Archi-
tekten Ludwig Hofmann über die Vergabe der Arbeiten an einheimische Handwerker bis zur festlichen Einweihung des "Ländchesdoms" vergingen nur zwei Jahre. "Voran die Schule und der Kirchenchor, dann die Gemeinde-
organe. Danach die Geistlichen, vor denen sechs Mädchen in Ländchestracht gingen." So zog der Festzug im September 1894 zur neuen Kirche, nachdem an den Tagen davor noch "das Grummet (Heu) vor dem Fest
eingebracht" worden war. Die Kirche konnte die Menschenmenge nicht aufnehmen, und daß, obwohl sie ja gut und gern 600 Besucher faßt. Sie waren gewiß stolz auf ihren "Ländchesdom", die Delkenheimer. Er ist
einer der zahlreichen ähnlichen Bauten der Zeit im "Spitzbogenstil". Eine einschiffige Kirche mit Apsisschluß und drei "falschen" Querhäusern, die die Seitenemporen aufnehmen. Hohe Lanzettfenster öffnen die Apsis,
Drillingsfenster beleuchten die Emporen. Der wuchtige Turm mit den vier kleinen Begleitern macht den "Ländchesdom" weit-
hin sichtbar. Das Innere hat das Jahrhundert fast unverändert, wenn auch immer wieder renoviert, überstanden. Auch hier wurde behutsam Gotisches nachempfunden, etwa in der Kanzel, deren sandsteinerner Kanzelfuß mit Krabben und deren
Schalldeckel mit einer hohen Kreuzblume verziert ist. Besonders liebevoll sind die Apsisfenster gestaltet, die nicht nur in gotischem Maßwerk ausgeführt sind, sondern eine farbige Bildergeschichte erzählen. Für die Kirchenmusik
eignet sich der "Ländchesdom" besonders gut. Konzerte auf der romantischen Orgel, der regelmäßig
stattfindende Dekanats-Chortag und große Chorkonzerte, die unter Leitung von Dekanatskantor Thomas
Schwarz aufgeführt werden, finden hier eine ansprechende Akustik und viel Platz für ein großes Publikum.
(Auszug aus: Stefan G. Wolf, Kirchen in Wiesbaden, Edition 6065, im Buchhandel in Wiesbaden und Umgebung erhältlich)